In seinem Buch der Erretter aus dem Irrtum versucht al-Ghazali auf verschiedene Fragen antworten zu geben. Eine Frage z.B. mit der er sich intensiv beschäftigt ist jene, wie er bei dem Erkunden des Wahren aus den ganzen Verwirrungen und den damals vorhandenen Meinungen für sich das Richtige gefunden hat. Auch will er erklären wie er aus den „Niederung der blinden Nachahmung“, wie er den taqlid nennt zu den „Höhen des selbstständigen Erforschens“ gekommen ist.

Wenn wir nun zu der Frage kommen wie er aus der blinden Nachahmung zum selbstkritischen, autonomen Denken gekommen ist, erklärt al-Ghazali, wie er ein System für sich erfunden hat die ihm sichere Erkenntnisse über die Wahrheiten geben soll. Zuerst charakterisiert er was er unter einer Erkenntnis versteht. Bei der Frage nach dem Wesen der Erkenntnis kommt er schließlich zu einer Antwort, dass eine Erkenntnis nur eine ist wenn sie nicht anzuzweifeln ist und keinen Argwohn und Irrtum zulässt. Das Herz darf noch nicht einmal eine Möglichkeit darin sehen im Irrtum zu sein. Zum Verständnis gibt Al-Ghazali ein Beispiel. Wenn man sagt 3 ist kleiner als 10 und von dieser Erkenntnis überzeugt ist und wenn dann ein Mensch kommt, aus einem Stab eine Schlange wird und dir sagt 3 ist größer als 10, darfst du von deiner früherer Erkenntnis keinen Zweifel haben. Erst dann ist eine Erkenntnis eine richtige Erkenntnis.  Daraus folgt er, dass eine Gewissheit ohne Erkenntnis keine  sichere Wahrheit sein kann. Dies führt zur totalen Umwälzung seiner vorigen „Erkenntnisse“, wie auch der Europäische Philosoph, Descartes, dies ein paar Jahrhunderte später tut. Somit will er seine Erkenntnisse auf Evidenzen, den Sinneswahrnehmungen und der Denknotwendigkeit, aufbauen. Mit den Sinnlich Wahrnehmbaren meint al-Ghazali die Erfahrungen. Mit der Denknotwendigkeit meint al-Ghazali, die Vernunft. Aber bevor er mit dieser Methode Erkenntnisse über die Wahrheit  forschen will, muss er diese Methode durchforschen, um sicher zu sein, dass diese Methoden frei von Zweifel, Risiken und Irrtümern sind. Er kommt zu dem Entschluss, dass der Sinnlichen Wahrnehmungen nicht zu trauen ist. Er macht deutlich das der „Richter der Sinne“, wie er diese Instanz nennt, durch den „Richter der Vernunft“ widerlegt und dadurch Risiken aufweist und somit nicht als Methode für die Erkenntnisgewinnung über die Wahrheiten taugen kann. Um seine Zweifel an die Sinneswahrnehmungen zu verdeutlichen gibt er ein Beispiel das der Mensch wenn er sich die Sterne ansieht, sie als kleine Perlen im Himmel sieht, wo jedoch die Vernunft ihm mitteilt, dass manche dieser kleinen Perlen, die der Mensch sieht, größer als unsere Erde sein kann. Auch sein Beispiel vom Schatten, den der Mensch als unbewegliches Element wahrnimmt in Wirklichkeit sich auch wenn es langsam ist bewegt, diese Bewegung ist der Sinnlichen Wahrnehmung, wenn auf diesen Schatten guckt nicht bewusst. So beweist er mit diesen beiden Beispielen, dass der „Richter der Vernunft“ den „Richter der Sinne“ der Lüge bezichtigt und seine Aussagen zunichtemacht. So bleibt nur noch das Denkvermögen, die Vernunft des Menschen die ihm Erkenntnisse über die Wahrheiten geben könnte. Doch auch diese Erkenntnis ist al-Ghazali nicht Zweifelsfrei und er forscht auch nach der Irrtumlosigkeit und Risikolosigkeit der Vernunft. Al-Ghazali fragt sich weiterhin, ob es einen Richter gibt, der auch wie der „Richter der Vernunft“ es bei dem „Richter der Sinne“ getan hat, die Vernunft der Lüge bezichtigen könnte. Eine Antwort auf diese Frage findet er im Schlaf. Denn im Schlaf, wenn ein Mensch träumt glaubt dieser, dass das was er im Traum sieht Vernünftig und Richtig ist. In seinem Traum macht alles Sinn. Wenn man jedoch den Wachzustand wieder erlangt merkt man was für Sinnloses man geträumt hat. Die Sachen die man geträumt und von ihrer Festigkeit überzeugt war entpuppen sich als Lügen. Nun fragt sich al-Ghazali ob es noch einen Zustand gibt der im gleichen Verhältnis zu Schlaf- und Wachzustand steht. Vielleicht werden dann die Erkenntnisse über die Wahrheit, die man mit seiner Vernunft erforscht hat, dann in dem nächsten Zustand zu „inhaltlosen Einbildungen“ degradiert. Al-Ghazali fragt sich weiterhin, ob wohl dieser Zustand, der Zustand von denen die Sufis meinen ihnen gefunden zu haben. Oder könnte dieser Zustand der Zustand nach dem Tode des Menschen sein. Seine zweite These stützt er mit einem Hadith. Der Prophet –Friede sei auf ihm- sagt: „Die Menschen befinden sich in einem Schlaf. Wenn sie sterben, werden sie wach.“ Al-Ghazali wird von diesen Fragen gequält und sieht diese als „Krankheit“[1] an. Diese „Krankheit“ wie er sie nennt, dauert 2 Monate bis ihn Allah von dieser Krankheit befreit. Bis zu dieser Zeit war er ein Sophist, was sich danach ändern soll. Allah rettet ihn, wie er selber beschreibt von dieser Krankheit und er findet wieder den Zustand der Ausgeglichenheit. Diese Zurückgewinnung seines ausgeglichenen Zustand erreichte er nicht durch einen geordneten Beweis, sondern durch das Licht Allahs, dass für viele Erkenntnisse eine Schlüsselrolle gilt. Er besagt das wer glaubt das die Enthüllung der Wahrheit durch einen geordneten Beweis und niedergeschriebenen Argumenten abhängt, wie es die Sophisten tun, der hätte Allahs Barmherzigkeit beengt. Als der Prophet –Friede sei auf ihn- gefragt wurde welche Bedeutung die Stelle im Koran die „Ausdehnung“  in Sure 5 Vers 125 „Und wenn Gott einen recht leiten will, weitet er ihm die Brust für den Islam“ hat, antwortete der gesandte Allahs: „Es ist das Licht das Gott in das Herz hineinwirft“ und weiterhin wird er gefragt was die Zeichen dafür sind und der Prophet antwortet ihm: „Die Abkehr von dem verführerischen Diesseits und die Rückkehr zum ewigen Jenseits.“ Und weiterhin sagt der Prophet, Friede sei auf ihm: „Der erhabene Gott hat die Menschen in Dunkelheit geschaffen, dann hat er sie mit seinem Lichte gesprengt.“ Dieses Licht soll die Wahrheit die Al-Ghazali bis dahin vergeblich versucht zu finden, ihm dieses Licht enthüllen. An einen weiteren Hadith stützend sagt Al-Ghazali auch das man sich für dieses Licht vorbereiten muss „An bestimmten Tagen eures Lebens lässt Gott seine Gaben ausströmen. Begebt euch in sie hinein.“ (Ausspruch des Propheten) Aus diesen Erkenntnissen die jetzt seiner kranken Seele ein Lösung sind schließt er heraus, dass diese vom Propheten übermittelten Berichte darauf zielen die primären Erkenntnisse zu erforschen, um letztendlich danach zu forschen was unerforschlich ist.  So besagt er das die primären Erkenntnisse nicht zu erforschende Gegenstände sind, weil sie in unserem Geiste schon vorhanden sind.


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